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Nachstehend finden Sie eine Reihe von projektbezogenen Informationsunterlagen, Links und ausgewählte Veröffentlichungen.
Explorative Studienreihe aus Sicht der Versicherungsnehmer und Risikoträger
Die Funk Stiftung hat gemeinsam mit dem Gesamtverband der versicherungsnehmenden Wirtschaft e.V. (GVNW) ein Forschungsprojekt initiiert, das den Zusammenhang von Nachhaltigkeit und Versicherungsfähigkeit von Unternehmen systematisch untersucht. Die Studienreihe wurde vom IPRI – International Performance Research Institute gGmbH durchgeführt und analysiert, wie sich Nachhaltigkeitstransformation und regulatorische Anforderungen – insbesondere die CSRD – auf die Versicherungsfähigkeit von Unternehmen auswirken.
Durch das Zusammenwirken von IPRI, GVNW und Funk Stiftung wird eine hohe Praxisorientierung der wissenschaftlichen Ergebnisse sichergestellt: Die Studie richtet sich ausdrücklich an Unternehmen, Risikomanager und Versicherungspraktiker, die die Auswirkungen von ESG-Entwicklungen auf Versicherungsschutz und Marktzugang verstehen und gestalten wollen.
Ausgangslage: Zwischen Nachhaltigkeitsdruck und Versicherungsfähigkeit
Unternehmen bewegen sich zunehmend im Spannungsfeld zwischen wachsenden Nachhaltigkeitsanforderungen und der Sicherstellung ihrer Versicherungsfähigkeit. Physische Klimarisiken, Finanzmarktanforderungen und regulatorische Vorgaben verändern Risikoprofile und Risikotragfähigkeit von Unternehmen spürbar. Risikoträger reagieren mit branchenspezifischen Ausschlüssen, selektiver Zeichnung und nutzen neue Datenquellen – während Nachhaltigkeitsberichte oft nur begrenzt underwriting-tauglich sind. Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) erweitert die Berichterstattung erheblich, auch wenn die regulatorische Dynamik im Zuge der Omnibus-Verordnung nachgelassen hat. Für Unternehmen wird Versicherungsfähigkeit zunehmend zu einem praktischen Indikator unternehmerischer Resilienz – und zu einer relevanten Steuerungsgröße im integrierten Risikomanagement. In der Studienreihe wurde untersucht, wie Unternehmen in diesem Spannungsfeld ihre Versicherungsfähigkeit sichern können.
Auf einen Blick
Die Studie zeigt deutlich: Nachhaltigkeit entwickelt sich im industriellen Versicherungsgeschäft vom Kontextfaktor zu einem relevanten Risikotreiber. Physische Klimarisiken, Transformationsrisiken und regulatorische Anforderungen beeinflussen, wie Unternehmen von Risikoträgern bewertet werden.
Dabei zeigen sich vier zentrale Befunde:
1. Nachhaltigkeit beeinflusst die Versicherungsfähigkeit spürbar.
Risikoträger reagieren mit angepassten Underwriting-Logiken, selektiverer Zeichnung und einer stärkeren Prüfung von Branchen, Standorten und Transformationspfaden. Besonders relevant werden die Fragen, ob Risiken präventiv gesteuert werden und ob ein Unternehmen seine Zukunftsfähigkeit glaubwürdig belegen kann.
2. ESG-Daten gewinnen an Substanz, werden aber noch nicht systematisch genutzt.
Nachhaltigkeitsberichte liefern zunehmend strukturierte Informationen. Durch CSRD und ESRS nimmt die Vergleichbarkeit und Nachweisqualität zu. Gleichzeitig werden diese Informationen im Underwriting bislang häufig noch nicht prozesssicher genutzt. Es fehlt vielerorts an einer Übersetzungslogik, die ESG-Daten in risikorelevante Kennzahlen, Argumente und Underwriting-Narrative überführt.
3. Fragmentierung erhöht Aufwand und Kosten.
Regulatorische Anforderungen, heterogene ESG-Praxis und unterschiedliche Underwriting-Logiken erzeugen auf beiden Seiten zusätzlichen Prüf-, Abstimmungs- und Dokumentationsaufwand. Besonders mittelständische Unternehmen können dadurch unter Druck geraten, weil Ressourcen für Reporting, Datenmanagement und individuelle Einzelfallkommunikation begrenzt sind.
4. Versicherungsfähigkeit ist gestaltbar.
Unternehmen sind den Entwicklungen nicht passiv ausgeliefert. Wer ESG-Daten belastbar aufbereitet, einen plausiblen Transformationspfad darstellt und Vertrauen in die eigenen Angaben schafft, kann die eigene Position im Versicherungsmarkt stabilisieren – und in geeigneten Fällen verbessern.
Nachhaltigkeit als Risikotreiber – und als Gestaltungsfeld
ESG-Daten im Underwriting: Mehr Substanz, aber noch keine Routine
Ein zentrales Ergebnis der Studie lautet: Ohne belastbare ESG-Daten ist eine wirksame Integration von Nachhaltigkeitsaspekten in Risikomanagement und Underwriting kaum möglich. Nachhaltigkeitsberichte können dafür wichtige Informationen liefern – etwa zu Klimarisiken, Governance, Prävention, Emissionen, Transformationszielen oder Lieferketten.
Die Analyse zeigt jedoch eine Spannung zwischen wachsender Datenbasis und noch begrenzter praktischer Nutzung. Nachhaltigkeitsberichte werden umfangreicher und kennzahlenorientierter, im Underwriting aber häufig noch nicht systematisch ausgewertet.
Gründe sind unter anderem unterschiedliche Datenqualität, fehlende Standardisierung, begrenzte Anschlussfähigkeit an bestehende Underwriting-Prozesse und Unsicherheit darüber, welche ESG-Informationen tatsächlich entscheidungsrelevant sind.
Für Unternehmen bedeutet das: Es reicht nicht, ESG-Daten lediglich zu veröffentlichen. Entscheidend wird, sie underwriting-fähig aufzubereiten – also verständlich, konsistent, prüfbar und mit klarer Verbindung zur Risikoreduktion.
Fragmentierung: Ein Kostentreiber für Versicherungsfähigkeit
Die Studie zeigt außerdem, dass Fragmentierung zu einem zentralen Kostentreiber werden kann. Unternehmen stehen einem Regulatorik-Mosaik gegenüber, das aus CSRD, ESRS, Taxonomie, Lieferkettenanforderungen und weiteren nationalen oder branchenspezifischen Vorgaben besteht. Gleichzeitig unterscheiden sich die Erwartungen der Risikoträger je nach Anbieter, Sparte, Branche und Risikoprofil.
Diese doppelte Fragmentierung erzeugt Komplexität: Risikoträger müssen häufiger Einzelfallprüfungen durchführen, zusätzliche Rückfragen stellen und Dokumentationsanforderungen erhöhen. Unternehmen müssen ESG-Daten mehrfach aufbereiten, unterschiedliche Nachweislogiken bedienen und Erwartungen in versicherungsrelevante Argumente übersetzen.
Besonders für mittelständische Unternehmen kann daraus ein Wettbewerbsnachteil entstehen. Nicht zwingend, weil ihre Risiken objektiv höher sind, sondern weil geringere Ressourcen und kleinere Prämienvolumina individuelle Lösungen, vertiefte Prüfungen und Ausnahmeprozesse erschweren.
Versicherungsdialog strategisch nutzen
Als roter Faden zieht sich durch die Ergebnisse: Versicherungsfähigkeit entsteht zunehmend im Dialog. Unternehmen müssen Nachhaltigkeitsinformationen nicht nur berichten, sondern in eine Form übersetzen, die für Risikoträger entscheidungsrelevant ist.
Dazu gehören belastbare ESG-Daten, ein nachvollziehbarer Transformationspfad und Vertrauensanker, die Angaben plausibilisieren und Prüfprozesse erleichtern. Unternehmen, die diese Elemente frühzeitig strukturieren, können ihre Versicherungsfähigkeit auch in einem anspruchsvolleren Marktumfeld langfristig sichern – und in geeigneten Fällen aktiv verbessern.
Eine wichtige Rolle kommt dabei Maklern und Inhousebrokern zu. Sie können Anforderungen der Risikoträger strukturieren, Erwartungen zwischen Versicherungsnehmern und Versicherern übersetzen und ESG-Informationen in underwriting-relevante Argumente überführen. Damit reduzieren sie Komplexität und helfen, Versicherungsdialoge effizienter und belastbarer zu gestalten.
Das Projekt wurde beim Symposium des Gesamtverband der versicherungsnehmenden Wirtschaft e.V. (GVNW) im Jahr 2024 vorgestellt. Unter dem Titel "Wie die CSRD die Versicherungsfähigkeit von Unternehmen beeinflusst!" informierten unsere Projektpartner vom IPRI, Kassian Kenner und Sebastian Künkele, gemeinsam mit unserer Beraterin, Dr. Kristina Klinkforth (im Bild von rechts nach links) über die Thematik und die kommenden Projektschritte.
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