Studie zu einem Risikomanagement-Tool

Ziel der Studie „Anforderungen an ein Risikomanagement-Tool zur Weiterentwicklung mittelständischer Risikomanagementsysteme“ ist es, anhand strukturierter Gespräche mit Expert*innen Anforderungen an ein Risikomanagement-Tool abzuleiten. Das zu entwickelnde Tool soll Risikomanager*innen mittelständischer Unternehmen in ihrer täglichen Arbeit unterstützen und dabei helfen, Prozesse effizienter zu gestalten.

Die von der Funk Stiftung geförderte Studie „Risikomanagement im Industrieunternehmen – Wertbeitrag für mittelständische Unternehmen“ aus dem Jahr 2018 hat Handlungsbedarf beim Risikomanagement mittelständischer Unternehmen aufgezeigt. Gerade für kleinere Unternehmen stellt das Risikomanagement oft eine große Herausforderung dar, weil weniger Kapazitäten für das Risikomanagement vorhanden sind und Risikomanagementsysteme regelmäßig erst seit kurzer Zeit implementiert sind. Es wäre daher wünschenswert, den Risikomanager*innen ein frei zugängliches Instrument zur Verfügung zu stellen, das die Verantwortlichen bei ihren Entscheidungen unterstützt und die Risikomanagementsysteme in den Unternehmen vorantreibt. Durch die von der Funk Stiftung geförderte Studie der V.E.R.S. Leipzig GmbH, einem wichtigen Impulsgeber für die deutsche Assekuranz, soll im Auftrag des GVNW (Gesamtverband der versicherungsnehmenden Wirtschaft e.V.) die Entwicklung eines solchen Instruments ermöglicht werden.

In der Studie wurden die Herausforderungen von Risikomanager*innen mittelständischer Unternehmen abgefragt und Unterstützungsbedarfe im Risikomanagement abgeleitet. Hierzu wurden regelmäßig auftretende Probleme identifiziert, um eine Diskussionsgrundlage zur Entwicklung von Lösungsansätzen zu schaffen.

Die Studie fand in zwei Teilen statt: Im ersten Teil wurde eine Bestandsaufnahme des Risikomanagements einer Auswahl von mittelständischen Unternehmen vorgenommen. Es zeigte sich, dass zumeist gesetzliche Anforderungen die wichtigste Motivation für die Umsetzung des Risikomanagements in den Häusern darstellen. Auch vor diesem Hintergrund wurde die Bedeutung des Risikomanagements von allen Teilnehmenden als noch ausbaufähig eingestuft.

Im zweiten Teil der Studie standen die Anforderungen an die Entwicklung eines Risikomanagement-Tools im Fokus. Die Interviews orientierten sich an einem strukturierten Fragebogen, der Themenbereiche vorgab und als Leitfaden für die Gespräche diente. Die Antworten gaben dabei einen Einblick in die aktuellen Herausforderungen der Risikomanager*innen sowie mögliche Lösungsansätze. Hierbei wurde festgestellt, dass die Idee der Entwicklung eines frei zugänglichen Risikomanagement-Tools auf großes Interesse stößt.

Jörg Henne, Geschäftsführer des GVNW, führt dazu an: „Die mittelständischen Risikomanager*innen wünschen sich ein vollumfassendes Risikomanagement-Tool, das den kompletten Risikomanagementprozess abbildet. Allerdings haben vorherige Studien gezeigt, dass systematisches Risikomanagement eher als Compliance-Thema und nicht als steuerungsrelevantes Thema gesehen wird. Letztendlich ist ein Tool nur ein sinnvolles Hilfsmittel, wenn es die tatsächlichen Prozesse im Unternehmen unterstützen kann. Für eine sinnvolle Einsatzmöglichkeit eines Tools gilt es daher, zunächst die Prozesse im Unternehmen weiterzuentwickeln. Die Studie hat aber gezeigt, dass bei denjenigen, die sich täglich mit Risikomanagement auseinandersetzen, ein starker Wille vorhanden ist, die Prozesse besser zu koordinieren sowieeffizienter zu gestalten und dafür aktuelle Technologien zu verwenden.“

Prof. Dr. Fred Wagner von der Universität Leipzig,Schirmherr der Studie, fügt hinzu: „Unsere Studie ermöglicht einen tiefen Einblick in die Gedankengänge mittelständischer Risikomanager*innen. Es hat uns außerordentliche Freude bereitet, mit den Expert*innen in den Diskurs zu gehen. Die befragten Häuser können sich darüber freuen, solch engagierte Mitarbeiter*innen zu beschäftigen, die das Risikomanagement weiter vorantreiben wollen. Leider stoßen die Interviewpartner*innen in ihren Unternehmen regelmäßig auf Hürden, die eine Weiterentwicklung bremsen. Es wäre wünschenswert, wenn die Risikomanager*innen einen größeren Rückhalt durch die Geschäftsführung erhalten würden.“

So waren sich alle Interviewpartner*innen einig, dass ein mögliches Tool den gesamten Risikomanagementprozess (Risikopositionierung, Risikoidentifikation, Risikoanalyse, Maßnahmenfestlegung, Risikoüberwachung und -reporting) abdecken sollte. Besonderes Potenzial wurde für die in den Unternehmen regelmäßig stattfindende Risikoabfrage (Risikoidentifizierung, Risikobewertung und Maßnahmenfestlegung) erkannt, die in der Praxis häufig mit einem hohen manuellen Aufwand verbunden ist. Ein entsprechendes Tool könnte diesen Prozess vereinfachen und auch die Kommunikation zwischen den Risikomanager*innen und anderen Abteilungen sowie den Risiko Ownern unterstützen.

„Die Studienergebnisse offenbaren aber auch ein Informationsdefizit bei mittelständischen Unternehmen zu Risikomanagement-Tools, die am Markt bereits verfügbar sind und nachweislich einen hohen Mehrwert bei der Implementierung und beim fortlaufenden Betrieb eines Risikomanagementsystems erzeugen können. Entsprechend sind die Toolanbieter gut beraten, die Kommunikation mit dem Mittelstand zu optimieren“, so Hendrik Löffler, Vorstandsvorsitzender der Funk Stiftung.

 

 

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