Webapplikation verbessert die Patientensicherheit

Elektronische Gedächtnis- und Entscheidungshilfe für Notfälle in der Anästhesie (eGENA)

Interdisziplinäres Wissen teilen und wegweisende Innovationen entwickeln: Die Funk Stiftung hat in einem dreijährigen Projekt eine Arbeitsgruppe des Berufsverbands Deutscher Anästhesisten (BDA) und der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) finanziert. In Kooperation mit dem Institut für Medizininformatik der Universität Erlangen-Nürnberg hat diese eine elektronische Gedächtnis- und Entscheidungshilfe für Notfälle in der Anästhesie, kurz eGENA, entwickelt. Laut Privatdozent Dr. Michael St. Pierre, Oberarzt am Universitätsklinikum Erlangen und Projektleiter, habe die Arbeitsgruppe realisieren können, was im Fach Anästhesiologie in all den Jahren zuvor bisher noch niemand umsetzen konnte.

Angelehnt an die routinierten Notfall-Checklisten aus der Luftfahrt leistet die praktische Webapplikation kompetente Hilfestellung in Risikosituationen während der Anästhesie. eGENA leitet den Anwender zuverlässig durch Sofortmaßnahmen, diagnostische Überlegungen sowie Therapieentscheidungen und kann auf Computer oder Tablet direkt im OP-Saal installiert werden. Design und Anwendungsphilosophie von eGENA wurden nach DIN EN ISO 9241-210 entwickelt, um die kognitiven Prozesse der Anästhesisten unter Notfallbedingungen zu berücksichtigen. So wird die Zusammenarbeit des ärztlichen- und pflegerischen Dienstes bei der Notfallversorgung effektiv unterstützt – eine Neuerung, die für die betreuten Patientinnen und Patienten lebensrettend sein kann.

Dr. Alexander Klein, Repräsentant der Funk Stiftung, kommentiert: "Wenn eGENA zu einer Standardanwendung bei Anästhesisten geworden ist, macht das jede Narkose in Klinik und Praxis sicherer. Zwischenfälle werden beherrschbarer, besonders auch, weil die vorhandenen Teamressourcen systematisch genutzt werden."

 

Weitere Vorteile der eGENA-App auf einen Blick:

  • ständige Offline-Verfügbarkeit auf jedem Endgerät
  • Interaktivität
  • erweiterte Suchfunktionen
  • Möglichkeit für Kliniken und Abteilungen, relevante Informationen zu editieren und an die lokalen Verhältnisse anzupassen
  • leichte Aktualisierbarkeit der medizinischen Inhalte bei Änderungen der Leitlinienempfehlungen


Diese wegweisende Entwicklung zur Entlastung von medizinischem Personal fand besondere Anerkennung, denn das durch die Funk Stiftung geförderte Projekt wurde 2020 vom Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) ausgezeichnet. Es belegte den 3. Platz im Rahmen des Deutschen Preis für Patientensicherheit. Bereits zum siebten Mal wurden hier Beiträge prämiert, die dazu führen, dass Patienten sich während ihrer gesamten Behandlung auf eine sichere Versorgung verlassen können – und das nicht nur in der Einrichtung der Preisträger selbst, sondern auch darüber hinaus. Dr. Ruth Hecker, Vorsitzende im Aktionsbündnis Patientensicherheit und selbst Anästhesistin, begründet die Auszeichnung: „In einem Flugzeug gibt es Checklisten, um zu helfen, im Notfall, wenn alles schnell gehen muss und die handelnden Personen unter Druck stehen, keine wichtigen Schritte oder entscheidungsrelevanten Fragen zu vergessen. Eine solche Hilfe entlastet auch im Operationssaal und erhöht so die Sicherheit der Patientinnen und Patienten.“ 

Die Funk Stiftung freut sich über die Auszeichnung und engagiert sich auch weiterhin darin, innovative Ideen mit nachhaltiger Wirkung zu fördern.

 

Download der App

Die eGENA-Webapplikation steht ab sofort über die Website des Berufsverbandes Deutscher Anästhesisten (BDA) und über die Website der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin zum Download bereit.

 

Pressemitteilung Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V.