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Vol. 3 der Gesamteinspielung von Niemanns Klavierwerk
Die Dämmerung sinkt. In stummer Liebe schaust
Du aus dem Rahmen auf den Schreibtisch nieder,
an dem der Sohn des Vaters Kunst bewahrt.
Mit diesen poetischen Worten begann der in Hamburg geborene Komponist, Pianist und Musikwissenschaftler Walter Niemann (1876–1953) sein Buch „Die Musik der Gegenwart“ (1913). Diese zärtliche Ansprache an den Vater war weit mehr als eine literarische Geste. Denn Rudolph Niemann (1838-1898), selbst angesehener Pianist und Musikpädagoge, war für seinen Sohn weit mehr als „nur“ ein Vater.
Rudolph Niemann war es, der dem kleinen Walter im häuslichen Kreis die ersten musikalischen Eindrücke vermittelte. Er war es auch, der ihm das Klavierspiel beibrachte und damit den Grundstein für das spätere Wirken als Pianist und Interpret legte. Und schließlich war Rudolph es, der in Walter die Veranlagung zum Komponisten erkannte. Er stellte den jungen Musiker Engelbert Humperdinck vor, der für die weitere künstlerische Entwicklung prägend war. Walter Niemann befand sich erst im 23ten Lebensjahr, als sein Vater verstarb. Der Verlust traf ihn tief – so tief, dass er sein weiteres Leben im Grunde der Bewahrung der väterlichen Kunstideale und Vorlieben widmete.
Als Musikwissenschaftler wandte sich Niemann jr. also insbesondere dem ausgehenden 19. Jahrhundert zu. Es entstanden in rascher Folge Bücher über die spätromantische Klaviermusik und deren bedeutendste Vertreter. Auch als Komponist blieb Niemann dieser Ästhetik eng verbunden. In seinen Werken suchte er bewusst die Nähe zur spätromantischen und frühimpressionistischen Klangsprache und entfaltete sie in einer Fülle von Klavierminiaturen. Bis zum Ende seines Lebens schuf Niemann nahezu eintausend solcher kleinformatigen Stücke, wovon nur ein Bruchteil bislang auf Tonträgern festgehalten ist.
Die am 9. Januar 2026 beim britischen Label Toccata Classics erscheinende dritte CD des laufenden, vom polnischen Pianisten Tomasz Kamieniak initiierten Aufnahmeprojektes „Walter Niemann: Piano Music“ bietet nun eine hervorragende Gelegenheit, sich in eine Auswahl dieser Werke einzuhören. Sie führt vier Klavierzyklen mit äußerst poetischen Titeln („Waldbilder aus dem Fichtelgebirge“, „Kleine Marburger Sonate“, „Epheu und Rosen“ und „Porzellan“) sowie eine einzelne Miniatur – „Ständchen“ von 1919 –, die hier ihre Ersteinspielung erlebt, zusammen. Damit schließt sich gewissermaßen ein Kreis: Was einmal als Bewahrung der väterlichen Kunst begonnen hatte, wird nun – in Gestalt dieser Einspielung – zur Bewahrung der Kunst des Sohnes.
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