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Dmitri Schostakowitschs Witwe erzählt von den gemeinsamen Jahren
‘Eigentlich hätten sich ihre Lebenslinien nie kreuzen dürfen’ – das dachte wohl jeder, der dieses Paar auch nur einmal getroffen hat. Denn auf der einen Seite war da ein weltberühmter Komponist, umgeben von Ruhm, Erwartungen und Konflikten, bereits zweimal verheiratet, Vater zweier erwachsener Kinder; und auf der anderen Seite eine junge Pädagogik-Absolventin, gleichaltrig mit den Kindern, am Anfang ihres eigenen, noch weitgehend offenen Weges. Und doch kamen und blieben sie zusammen. Zu zweit: Dmitri Schostakowitsch (1906–1975) und Irina Supinskaja (geb. 1934, ab 1962 den Namen Schostakowitsch tragend).
Was sie verband, war zunächst eine gemeinsame Vergangenheit, d.h. eine Vergangenheit, die sie zwar getrennt voneinander, aber unter vergleichbaren Umständen erlebt hatten. Beide stammten aus Leningrad (heute Sankt Petersburg). Dort waren sie mit dem Zweiten Weltkrieg und der Belagerung ihrer Heimatstadt konfrontiert – eingeschlossen, ständigen Luftangriffen ausgesetzt und vom allgegenwärtigen Hungertod bedroht. Später wurden beide nach Kuibyschew evakuiert und zogen nach dem Krieg nach Moskau. Dort kreuzten sich ihre Lebenslinien im Jahr 1956 schließlich, als Irina, inzwischen Literaturredakteurin des gerade gegründeten Verlags Sowjetischer Komponist, sich an Schostakowitsch bezüglich der Erstveröffentlichung seiner Operette Moskau, Tscherjomuschki wandte.
Die folgenden beinahe zwanzig gemeinsamen Jahre erschienen vor diesem Hintergrund fast selbstverständlich. Selbst Dmitri Schostakowitschs Tod im Jahr 1975 trennte ihre Schicksale nur in formaler Hinsicht. Denn Irina sorgte dafür, dass die Sphären weiterhin miteinander verbunden blieben. So pflegte sie über Jahrzehnte das Moskauer Schostakowitsch-Archiv, stellte den Musikverlag DSCH auf die Beine und startete zahlreiche künstlerischen Initiativen und wissenschaftliche Projekte im Sinne ihres verstorbenen Ehemannes. „Menschen, die wir immer noch lieben, sind nicht weit weg von uns. Sie sind da, irgendwo ganz nah“, sagte sie 2021 im Gespräch mit der russischen Journalistin Elena Yakovich.
Aus diesem längeren Gespräch und dem dabei gesammelten Material ist nun ein Buch entstanden, das der Berliner Jaron Verlag ab Oktober 2025 erstmals auch einem deutschsprachigen Publikum in der Übersetzung von Mark Heyer (und versehen mit einem Grußwort des bekannten Dirigenten Andris Nelsons) zugänglich macht: Zu zweit. Irina Antonowna Schostakowitsch – Mein Leben mit Dmitri Schostakowitsch. Die bewusst nichtlineare Struktur dieses Buches, in der Irinas Erzählung mit Einblicken in Schostakowitschs Leben und zusätzlich mit aufschlussreichen Archivmaterialien verwoben wird, macht offenbar, was lange verborgen blieb. Tatsächlich hatten sich die jeweiligen Lebenslinien des Paares schon lange vor ihrer ersten Überkreuzung angenähert, verliefen parallel und nur um eine Haaresbreite voneinander entfernt. Und es wird deutlich, dass sie, nachdem sie einmal zusammengeführt waren, sich nicht mehr voneinander entfernten.
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