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Franz Liszts 12 Grandes Études (1837) auf einem historischen Steingraeber-Flügel.
Monster weilen unter uns. Nicht bloß in unserer eigenen Fantasie oder Albträumen, und auch nicht in den fiktiven Welten der modernen Fantasy-Literatur. Real anzutreffen sind sie stattdessen u.a. in der Musik, insbesondere in der Musik von Franz Liszt. Denn unverblümt als „Monster“ bezeichnete der Komponist im Jahr 1837 sein jüngst vollendetes Klavierwerk, die 12 Grandes Études (S.137) für Klavier.
Diese musikalischen und pianistischen Schreckgestalten gingen aus einem vergleichsweise harmlosen Vorläufer hervor: den Étude en quarante-huit exercices aus dem Jahr 1826, von denen der erst Fünfzehnjährige seinerzeit nur zwölf Etüden veröffentlichte und deren Motivik und Anordnung nach dem Quintenzirkel in den späteren Fassungen immerhin als entfernte Spur erkennbar blieb. Tatsächlich sind die Grandes Études weit entfernt davon, nur Überarbeitung oder Aktualisierung eines Jugendwerkes zu sein. Sie besitzen ihr eigenes, unverwechselbares Gesicht – und was für eines!
Jede der zwölf Etüden ist ein absoluter Grenztest, eine Erkundung der äußersten Möglichkeiten sowohl des Interpreten als auch des Instruments. Kein Wunder also, dass Robert Schumann sie 1839 in seiner Rezension als „Studien für höchstens zehn oder zwölf auf dieser Welt“ bezeichnete, geeignet vielleicht, um „von einem Meister, wo möglich von Liszt selbst“ gehört bzw. gespielt zu werden. Liszt selbst schien bald vor der Kühnheit seiner Schöpfungen zurückzuschrecken. In den 1850er-Jahren unterzog er sie (wie im Übrigen viele andere seiner früheren Klavierwerke) einer tiefgreifenden Revision – und transformierte sie in die heute so berühmten Études d’exécution transcendante (S.138). Die ursprünglichen Grandes Études blieben dagegen ein Kuriosum; eine furchteinflößende, selten gespielte, beinahe mythisch verklärte Absonderlichkeit.
Zu den wenigen Mutigen, die sich den mannigfaltigen Schwierigkeiten des Stückes dennoch stellen, gehört die in Deutschland lebende rumänische Pianistin und Cembalistin Aurelia Vișovan. Sie hat den gesamten Zyklus auf dem historischen Steingraeber-Flügel von 1873 aus dem Steingraeber-Haus in Bayreuth, auf dem Liszt einst selbst musizierte, eingespielt. Damit dürfte die Aufnahme dem Klangideal des Komponisten besonders nahekommen. Die CD erscheint am 9. Januar 2026 beim belgischen Label Passacaille Records und lädt dazu ein, den monumentalen Zwischenschritt in der Entwicklung einer aus der Musikgeschichte nicht wegzudenkenden Etüdensammlung auf möglichst authentische Weise nachzuvollziehen – und sich davon zu überzeugen, dass Liszts „Monster“ bis heute überlebt haben.
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