Vor allem während seiner Leipziger Zeit pflegte Johann Sebastian Bach vielfältige Beziehungen zu privaten Musikliebhabern und Mäzenen. Die prosperierende Handels- und Messestadt bot dafür ein ideales Umfeld – ganz anders als zuvor die kleinen Residenzstädte Weimar und Köthen. Allerdings war der Thomaskantor auf einflussreiche Förderer und Fürsprecher auch dringend angewiesen, denkt man z. B. an die Konflikte mit der Leipziger Stadtleitung.

Als Rekonstruktionsversuch bezeugen sie exemplarisch das Verhältnis Bachs zu dem gesellschaftlichen Leipziger Umfeld. Die kammermusikalisch besetzten, in heiteren Affekten gehaltenen Werke wurden in dieser Form in den 1730/40er Jahren aufgeführt. Ihre konkreten Adressaten sind unbekannt, aber wegen fehlender Standesbezeichnungen wird es sich um wohlhabende Bürger gehandelt haben, welche die Musikpflege nicht nur als Liebhaberei, sondern auch als Repräsentation bzw. als Nachahmung des Adels verstanden. Für Bach waren derartige Auftritte auch eine Möglichkeit, in der teuren Messestadt zusätzliche Auftritts- und Verdienstmöglichkeiten zu erhalten und sein künstlerisches Betätigungsfeld jenseits seiner Verpflichtungen als Thomaskantor und Universitätsmusikdirektor zu erweitern.

Mit Unterstützung der Funk Stiftung ist die weltweit erste CD-Einspielung der beiden Huldigungskantaten „Erwählte Pleißenstadt (BWV 216a) und O angenehme Melodei (BWV 210a)“ von Johann Sebastian Bach (1685-1750) in der legendären Jesus-Christus-Kirche in Berlin-Dahlem mit dem Ensemble von Deutsche Hofmusik unter der Leitung des Alexander Grychtolik aufgenommen worden.

 

Künstler: Katja Stuber (Sopran), Franz Vitzthum (Altus), Daniel Johannsen (Tenor)
Deutsche Hofmusik, Aleksandra und Alexander Grychtolik

 

 

 

Lesen Sie ein Interview mit dem Künstler aus dem Magazin Fono Forum

zur Rekonstruktion der beiden Ersteinspielungen:

 

 

 

Hören Sie gerne in die Aufnahmen rein: Die CD wurde beim BBC bereits als CD-Tipp erwähnt.

Zusätzlich gibt es auch das Making-of-Video zum CD-Projekt hier.

Neben dem Crescendo Magazin und der Zeitschrift Opernglas hat auch das Bachmagazin über die Arbeit von Herr Grychtolik geschrieben. Hier finden Sie den Artikel.